Das chinesische Elektroauto Start-up NIO hat im Rahmen von Privatplatzierungen kurzfristig Wandelanleihen mit einem Volumen von insgesamt 100 Mio. US-Dollar ausgegeben. Das Start-up scheint dringend frisches Kapital zu benötigen und hat dabei zu einer eher unbeliebten Form der Kapitalbeschaffung gegriffen. Es handelt sich um zwei Wandelanleihen, eine im Wert von 70 Mio. US-Dollar die zweite im Wert von 30 Mio. US-Dollar. Abnehmer der Anleihen sind zwei nicht näher genannte Investoren aus dem asiatischen Raum und die Schuldverschreibung hat eine 12 monatige Laufzeit (bis 4. Februar 2021).

Das NIO schon seit einiger Zeit massive Cash-Flow Probleme besitzt ist bekannt. Zuletzt kursierten Gerüchte nach denen die staatliche GAC-Group bei NIO einsteigen würde. Von offizieller Seite bei NIO wurden diese Gerüchte mehr oder weniger bestätigt. Bis heute ist dazu aber noch kein Vollzug vermeldet worden. Das die momentane Lage, in Verbindung mit der Aufforderung der chinesischen Regierung wegen des Coronavirus die Produktion auch in der chinesischen Autoindustrie vorerst vollständig ruhen zu lassen, mit Sicherheit nicht zu einer Verbesserung der Finanzsituation bei NIO beigetragen hat scheint klar. Erschwerend kommt noch hinzu, dass bereits gefertigte Fahrzeuge auch von NIO im Moment nicht ausgeliefert werden dürfen und somit die Kunden diese auch nicht bezahlen.

Mit den beiden Wandelanleihen greift NIO nun auf ein kurzfristiges Mittel der Kapitalbeschaffung zurück, dass für eine Aktiengesellschaft eher unüblich ist. Normalerweise würde sich eine AG neues Kapital über eine Kapitalerhöhung verschaffen. Dieser Prozess würde aber vermutlich deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen und insbesondere bei einer klammen Finanzlage gegebenenfalls nicht mehr rechtzeitig Wirkung zeigen. NIO arbeitet derzeit wohl an mehreren Finanzierungsprojekten, deren Ausgang aktuell auch von NIO selbst nun ungewiss eingestuft wird. Damit scheint es wohl insbesondere mit dem Einstieg der GAC-Group bei NIO doch nicht so zu funktionieren, wie dies noch Mitte Januar verlautbart wurde.