Mit 800-Volt-Technik, 570 PS, Allradantrieb und einer Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 3,8 Sekunden geht der neue Geely Galaxy TT Ultra ins Rennen. Doch gerade im chinesischen Markt für leistungsstarke Elektro-Limousinen sind die Maßstäbe inzwischen extrem hoch. Xiaomi, BYD, Denza und Avatr zeigen, wie hart der Wettbewerb geworden ist.

Geely baut seine noch junge Elektromarke Galaxy weiter aus und zielt mit dem Galaxy TT Ultra erstmals deutlich auf die sportliche Oberklasse. Die knapp fünf Meter lange Elektro-Limousine erhält einen Allradantrieb mit zwei Elektromotoren, eine 800-Volt-Architektur und ein aufwendiges adaptives Fahrwerk. Ergänzt wird das Modell durch eine besonders sportlich inszenierte Global Racing Edition mit zusätzlichen Karbon-Komponenten.

Auf dem Papier klingt das durchaus beeindruckend. Doch der Blick auf die chinesische Konkurrenz zeigt auch: 570 PS allein reichen in diesem Segment längst nicht mehr, um automatisch zur Leistungsspitze zu gehören. Xiaomi bietet mehr als 1.500 PS, der BYD Han L kommt auf über 1.100 PS und auch der Denza Z9GT spielt je nach Version leistungsmäßig in einer ganz anderen Liga. Der Galaxy TT Ultra muss deshalb über andere Qualitäten überzeugen.

570 PS, Allradantrieb und 20 Sekunden Extra-Schub

Für den Antrieb kombiniert Geely einen Elektromotor mit 180 kW an der Vorderachse und eine 245-kW-Maschine im Heck. Zusammen ergibt sich eine Systemleistung von 425 kW beziehungsweise rund 570 PS.

Damit beschleunigt der Geely Galaxy TT Ultra nach Herstellerangaben in 3,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 210 km/h. Über eine Taste am Lenkrad lässt sich zusätzlich ein Boost-Modus aktivieren, der für 20 Sekunden die maximale Leistungsbereitschaft des Antriebssystems freigibt.

So beeindruckend diese Werte für sich genommen sind: Innerhalb der aktuellen chinesischen Elektro-Oberklasse wirken sie beinahe schon zurückhaltend. Gerade die Höchstgeschwindigkeit von 210 km/h fällt gegenüber einigen Rivalen deutlich ab. Der BYD Han L AWD erreicht laut veröffentlichten technischen Daten 305 km/h, während Xiaomi für den SU7 Ultra sogar mehr als 350 km/h nennt.

Das bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass Geely den Wettbewerb verfehlt. Vielmehr deutet einiges darauf hin, dass der Hersteller den Galaxy TT Ultra weniger als kompromisslosen elektrischen Supersportler und mehr als sportliche, alltagstaugliche Limousine positionieren möchte. Entscheidend dafür wird allerdings der Preis sein – und der war zum Zeitpunkt der Vorstellung noch nicht offiziell bekannt.

Geely Galaxy TT Ultra - das Cockpit
Geely Galaxy TT Ultra – das Cockpit

75,2-kWh-Akku und 650 Kilometer Reichweite

Die Energie liefert ein 75,2 kWh großer LFP-Akku von CATL. In Verbindung mit dem leistungsstarken Allradantrieb soll er eine Reichweite von bis zu 650 Kilometern nach dem chinesischen CLTC-Zyklus ermöglichen. Weitere bereits aus chinesischen Zulassungsunterlagen bekannte Varianten kommen je nach Motorisierung und Batterie auf 540, 640 oder bis zu 725 Kilometer CLTC-Reichweite.

Der vergleichsweise kompakte 75,2-kWh-Akku ist dabei bemerkenswert. Viele Konkurrenten setzen auf deutlich größere Speicher: Der BYD Han L EV verwendet einen Akku mit rund 83,2 kWh, der Xiaomi SU7 Ultra verfügt über 93,7 kWh und der Denza Z9GT tritt je nach Markt und Ausführung mit nochmals erheblich größeren Batterien an.

Für eine abschließende Bewertung fehlen allerdings noch wichtige Daten zur realen Ladeleistung und zum tatsächlichen Energieverbrauch des Geely Galaxy TT Ultra. Die 800-Volt-Architektur schafft grundsätzlich gute Voraussetzungen für hohe Ladegeschwindigkeiten, doch gerade hier haben Konkurrenten wie BYD die Messlatte inzwischen extrem hoch gelegt.

Aufwendiges Fahrwerk statt reiner Beschleunigungs-Show

Geely beschränkt die sportliche Aufrüstung nicht auf zusätzliche Motorleistung. An der Vorderachse arbeitet eine Doppelquerlenker-Konstruktion, hinten kommt eine Fünflenkerachse zum Einsatz. Hinzu kommen kontinuierlich geregelte adaptive Dämpfer.

Besonders interessant ist ein vorausschauendes System zur Fahrbahnerkennung. Es soll die Straße vor dem Fahrzeug erfassen und die Dämpfung in Echtzeit an bevorstehende Unebenheiten anpassen.

Für die Verzögerung sorgen unter anderem Vierkolben-Festsättel an der Vorderachse. Damit verfolgt Geely offenbar einen ganzheitlicheren Ansatz: Der Geely Galaxy TT Ultra soll nicht nur auf gerader Strecke schnell beschleunigen, sondern auch fahrdynamisch anspruchsvoller auftreten.

Digitales Cockpit mit Flyme Auto 2.0 und Lidar

Im Innenraum setzt Geely auf das digitale Bediensystem Flyme Auto 2.0. Zum Cockpit gehören ein großer, freistehender Zentralbildschirm, ein schmales digitales Fahrerdisplay sowie ein Head-up-Display.

Eine ungewöhnlich klassische Note bringt dagegen eine analoge Uhr in der Mitte der Lüftungsdüsen. Darüber hinaus bietet der Innenraum magnetische Befestigungspunkte und Gewindeaufnahmen für individuelles Zubehör.

Für die Fahrerassistenz kommt das Qianli Haohan H7-System zum Einsatz. Ein auf dem Dach montierter Lidar-Sensor gehört ebenfalls zum Technikpaket. Damit zielt Geely auf hoch entwickelte Assistenzfunktionen sowohl auf Autobahnen als auch im Stadtverkehr.

Gerade dieser Bereich ist für chinesische Hersteller mittlerweile ein entscheidendes Wettbewerbsfeld. Fahrzeuge werden dort längst nicht mehr allein anhand von Reichweite und Motorleistung beurteilt, sondern zunehmend auch anhand ihrer Sensorik, Rechenleistung, Software und automatisierten Fahrfunktionen.

Die Konkurrenten: Wo steht der Geely Galaxy TT Ultra wirklich?

Ein Blick auf die wichtigsten Rivalen zeigt, dass der Galaxy TT Ultra eine interessante, aber keineswegs unumstrittene Position einnimmt.

ModellLeistung0–100 km/hHöchstgeschwindigkeitReichweite*
Geely Galaxy TT Ultra425 kW / ca. 570 PS3,8 s210 km/h650 km CLTC
Xiaomi SU7 Ultra1.138 kW / 1.548 PS1,98 süber 350 km/h
BYD Han L EV AWD810 kW / ca. 1.100 PS2,7 s305 km/h601 km CLTC
Denza Z9GT Performancerund 850 kW / ca. 1.150 PS2,7 sbis 820 km CLTC, je nach Markt und Version
Avatr 12 Tri-Motorrund 702 kW / 955 PS2,9 s230 km/h670 km CLTC

* Die Reichweitenwerte stammen teilweise aus unterschiedlichen Modellvarianten und sind deshalb nur zur grundsätzlichen Einordnung geeignet. Insbesondere chinesische CLTC-Angaben lassen sich nicht direkt mit europäischen WLTP-Werten vergleichen.

Xiaomi SU7 Ultra: Der kompromisslose Leistungskönig

Der Xiaomi SU7 Ultra ist streng genommen kein direkter Gegner des Geely Galaxy TT Ultra, obwohl sich beide Fahrzeuge hinsichtlich ihrer Abmessungen ähneln. Mit drei Elektromotoren, 1.548 PS, einer Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 1,98 Sekunden und mehr als 350 km/h Höchstgeschwindigkeit bewegt sich der Xiaomi in einer völlig anderen Performance-Dimension.

Auch preislich sitzt der Xiaomi höher: Zum offiziellen Marktstart in China kostete der SU7 Ultra 529.900 Yuan. Xiaomi positioniert ihn ausdrücklich als Herausforderer von Porsche Taycan und Tesla Model S Plaid.

Für den Geely ist der Xiaomi deshalb vor allem ein Image-Problem: Wer ein Fahrzeug „Ultra“ nennt, muss sich unweigerlich an einem Auto messen lassen, das diesen Namenszusatz mit über 1.500 PS besonders radikal interpretiert.

BYD Han L EV: Der wahrscheinlich gefährlichste direkte Gegner

Deutlich näher am Konzept des Geely liegt der BYD Han L EV. Die Limousine ist 5,05 Meter lang und damit nur rund fünf Zentimeter länger als der Galaxy TT Ultra.

In der Allradversion mobilisiert der Han L jedoch 810 kW, beschleunigt in 2,7 Sekunden auf 100 km/h und erreicht bis zu 305 km/h. Sein 83,2-kWh-Akku ermöglicht 601 Kilometer CLTC-Reichweite. Besonders beeindruckend ist die Ladetechnik: Die Super-e-Plattform arbeitet mit einer Hochvoltarchitektur um 1.000 Volt und soll unter optimalen Bedingungen innerhalb von fünf Minuten Energie für 400 Kilometer zusätzliche CLTC-Reichweite aufnehmen können.

Hinzu kommt der Preis. Die leistungsstarke AWD-Version startete in China ursprünglich bei 279.800 Yuan. Damit ist der Han L aus heutiger Sicht einer der schärfsten Konkurrenten für den Geely – insbesondere dann, wenn der TT Ultra preislich oberhalb dieser Marke angesiedelt werden sollte.

Denza Z9GT: Mehr Luxus, mehr Leistung und deutlich größer

Der Denza Z9GT verfolgt ein anderes Konzept. Mit mehr als 5,1 Metern Länge und seiner Shooting-Brake-Karosserie ist er größer, luxuriöser und stärker als der Galaxy TT Ultra.

Aktuelle Performance-Ausführungen werden mit rund 850 kW beziehungsweise etwa 1.150 PS angegeben und sollen in 2,7 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigen. Hinzu kommen eine Hinterradlenkung und ungewöhnliche Manöver wie der sogenannte Crab Walk oder eine 360-Grad-Wende.

Technologisch besonders interessant ist die neue Generation des Z9GT mit BYDs Flash-Charging-Technik. Für die überarbeitete chinesische Version werden Ladezeiten von fünf Minuten von zehn auf 70 Prozent und neun Minuten von zehn auf 97 Prozent genannt. Die chinesischen Preise der neuen BEV-Versionen beginnen bei 269.800 Yuan.

Für Deutschland ist der Denza allerdings in einer völlig anderen Preisklasse angesiedelt. Hier wurde für den Z9GT zuletzt ein Einstiegspreis um 115.000 Euro genannt. Damit tritt er eher gegen Porsche Taycan, Audi e-tron GT oder Mercedes-AMG GT 4-Türer an als gegen einen voraussichtlich deutlich günstigeren Geely Galaxy.

Avatr 12: Der vielleicht am meisten unterschätzte Gegner

Auch der Avatr 12 gehört in den erweiterten Kreis der direkten Konkurrenten. Mit 5,02 Metern Länge ist er dem Galaxy TT Ultra nahezu exakt ebenbürtig.

Die aktuelle Spitzenversion kombiniert drei Elektromotoren mit insgesamt rund 955 PS, beschleunigt laut veröffentlichten technischen Daten in etwa 2,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h und erreicht 230 km/h. Der 98-kWh-Akku soll bis zu 670 Kilometer CLTC-Reichweite ermöglichen.

Avatr setzt zudem sehr stark auf digitale Fahrerassistenz und Lidar-Sensorik und ist damit insbesondere hinsichtlich Software und automatisiertem Fahren ein ernst zu nehmender Konkurrent.

Fazit: Nicht der stärkste – aber möglicherweise der vernünftigste Ultra

Der Geely Galaxy TT Ultra gewinnt den Vergleich mit seinen chinesischen Konkurrenten nicht über maximale Motorleistung. Gegen einen Xiaomi SU7 Ultra mit mehr als 1.500 PS oder einen BYD Han L mit 810 kW wirken 425 kW beinahe konservativ.

Doch genau darin könnte auch die Chance des Geely liegen. Nicht jeder Käufer benötigt 1.000 oder gar 1.500 PS. Mit 3,8 Sekunden von null auf 100 km/h ist auch der TT Ultra objektiv extrem schnell. Dazu kommen 800-Volt-Technik, ein aufwendiges adaptives Fahrwerk, Lidar-Sensorik und eine Reichweite von 650 Kilometern nach CLTC.

Der entscheidende Faktor wird deshalb der Preis. Bleibt Geely deutlich unter Xiaomi SU7 Ultra und den europäischen Preisen des Denza Z9GT und positioniert sich zugleich konkurrenzfähig zum BYD Han L, könnte der Geely Galaxy TT Ultra gerade als ausgewogene Performance-Limousine interessant werden.

Die größte technische Schwäche zeigt sich derzeit bei der Höchstgeschwindigkeit: 210 km/h sind für den Alltag vollkommen ausreichend, wirken in einer Fahrzeugklasse, in der Konkurrenten mit 230, 305 oder sogar mehr als 350 km/h werben, aber wenig spektakulär.

Der Galaxy TT Ultra ist deshalb vermutlich nicht Chinas neuer Elektro-Supersportler. Er könnte jedoch etwas sein, das für deutlich mehr Käufer relevant ist: eine schnelle, technisch anspruchsvolle und potenziell bezahlbare Elektro-Limousine, die Performance nicht ausschließlich über vierstellige PS-Zahlen definiert.